ENISA Threat Landscape 2024 Bericht

23/09/2024
Andrew Hay

Die wichtigsten Erkenntnisse für Unified Communications, Contact Center und Unternehmensnetzwerke

Da sich Cyberbedrohungen weiterentwickeln und verschärfen, ist es besonders in kritischen Infrastrukturbereichen wie Unified Communications (UC), Contact Center (CC) und Unternehmensnetzwerken unerlässlich, über die neuesten Risiken informiert zu bleiben. Die ENISA (Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit) analysiert im ENISA-Bedrohungslandschaft 2024 Bericht die Bedrohungslage für diese Technologien. In diesem Blogbeitrag beleuchten wir die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bericht und deren Auswirkungen auf Organisationen, die auf diese Systeme angewiesen sind.

Unified Communications: Die wachsende Angriffsfläche

Unified Communications (UC)-Plattformen wie Microsoft Teams, Cisco Webex, AudioCodes und Mitel ermöglichen eine nahtlose Kommunikation über mehrere Kanäle hinweg. Dies erhöht jedoch auch die potenzielle Angriffsfläche und macht diese Plattformen zu Zielen für verschiedene Cyberbedrohungen.

  1. Social Engineering und Phishing: Phishing bleibt ein wichtiger Bedrohungsvektor für UC-Plattformen. Angreifer verwenden Taktiken, um sich als vertrauenswürdige Benutzer auszugeben und so Zugang zu sensiblen Daten und Gesprächen zu erhalten. Die Cloud-basierte Natur dieser Plattformen macht sie anfällig für kostengünstige, aber wirkungsvolle Angriffe (ENISA, S. 56).
  2. Denial of Service (DoS)-Angriffe: DoS-Angriffe zielen auf UC-Plattformen ab, um die Verfügbarkeit von Diensten zu stören. Ein Angriff auf eine Plattform wie Microsoft Teams oder Cisco Webex kann die Geschäftskommunikation erheblich beeinträchtigen und zu erheblichen betrieblichen Verzögerungen führen (ENISA, S. 78).
  3. Malware in Kommunikationskanälen: Malware wird häufig über vertrauenswürdige Kommunikationsplattformen durch Phishing oder infizierte Dateianhänge eingeschleust. Die Nutzung vertrauenswürdiger Dienste wie Slack oder Microsoft OneDrive  zur Verbreitung von Malware wird immer häufiger (ENISA, S. 56).

Contact Center: Hauptziele für Cyberkriminelle

Contact Center, die auf Plattformen wie Cisco, Avaya und Genesys basieren, verarbeiten große Mengen an Kundendaten und sind daher attraktive Ziele für Cyberkriminelle.

  1. Ransomware auf dem Vormarsch: Contact Center sehen sich einem erhöhten Risiko durch Ransomware ausgesetzt. Angreifer verschlüsseln kritische Systeme und drohen damit, sensible Kundendaten zu veröffentlichen, wenn kein Lösegeld gezahlt wird. Die Integration von Contact-Center-Plattformen mit externen Diensten verschärft diese Risiken oft noch (ENISA, S. 45).
  2. Schwachstellen in der Lieferkette: Die Kompromittierung von Drittanbieterdiensten, wie z. B. der aufsehenerregende Angriff auf 3CX, stellt weiterhin ein erhebliches Risiko für Contact Center dar. Angreifer verschaffen sich über kompromittierte Dienstleister Zugang zu den Systemen (ENISA, S. 13).
  3. Datenpannen und Social Engineering:  Mitarbeitende in Contact Centern sind häufig das Ziel von Social-Engineering-Angriffen, die darauf abzielen, an sensible Kundendaten zu gelangen. Diese Angriffe umgehen technische Sicherheitsmaßnahmen, indem sie menschliche Schwachstellen ausnutzen (ENISA, S. 69).

Unternehmensnetzwerke: Kritische Infrastrukturen unter Beschuss

Unternehmensnetzwerke, wie sie von Cisco, Extreme Networks und Cradlepoint bereitgestellt werden, sind für den Geschäftsbetrieb unerlässlich, werden jedoch ständig durch ausgeklügelte Cyberangriffe bedroht.

  1. Netzwerk-Schwachstellen: 76,29 % der identifizierten Schwachstellen betreffen netzwerkseitige Komponenten, wodurch Unternehmensnetzwerke zu primären Zielen für Cyberkriminelle werden. Produkte von Cisco und anderen großen Anbietern sind häufig Ziel von Angriffen, was zu erheblichen Sicherheitsverletzungen führt (ENISA, S. 37).
  2. Veraltete Infrastruktur:Viele Unternehmen verlassen sich weiterhin auf veraltete Netzwerkinfrastrukturen, die aufgrund fehlender regelmäßiger Updates anfällig für Angriffe sind. Router und Switches sind häufige Ziele für Angreifer, die versuchen, in diese Systeme einzudringen (ENISA, S. 78).
  3. Verbreitung von Ransomware: Ransomware-Angriffe auf Unternehmensnetzwerke werden immer häufiger. Angreifer nutzen die laterale Ausbreitung in schlecht segmentierten Netzwerken, um Malware zu verbreiten und die Auswirkungen auf das Unternehmen zu maximieren (ENISA, S. 45).

Statistiken für einzelne Regionen

Der ENISA-Bericht „Threat Landscape 2024“ bietet eine detaillierte Analyse der Cyber-Bedrohungen in ganz Europa und hebt die Regionen hervor, die am stärksten von diesen Angriffen betroffen sind. Die folgenden Statistiken konzentrieren sich auf Länder, in denen Damovo für Kunden tätig ist:

Deutschland

Ransomware- und Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS) dominieren, wobei 19 % aller Vorfälle auf den Finanzsektor und die öffentliche Verwaltung Darüber hinaus richteten sich 17 % der Ransomware-Angriffe gegen das verarbeitende Gewerbe, einen wichtigen Bestandteil der deutschen Wirtschaft (ENISA, S. 12).

Schweden

Malware- und Phishing-Vorfälle nahmen erheblich zu. Der Bereich digitale Infrastruktur verzeichnete einen Anstieg der Angriffe um um 25 %. Auch der Bereich öffentliche Verwaltung war mit einem ANnteil von 10 % an den Phishing-Vorfällen stark betroffen (ENISA, S. 15).

Belgien und Luxemburg

In diesen Regionen nahmen die Angriffe von Hacktivisten zu. Insbesondere aufgrund der geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt. Hacktivistengruppen wie NoName057, waren für 33 % der DDoS-Angriffe auf die öffentliche Verwaltung verantwortlich (ENISA, S. 15).

Polen

Cyberkriminelle nahmen Unternehmensnetzwerke ins Visier, wobei 8 % der Angriffe auf den Sektor digitale Infrastruktur abzielten. Schwachstellen in Geräten von Cisco und Fortinet wurden häufig ausgenutzt, um Systeme zu kompromittieren (ENISA, S. 11).

UK

Sowohl die öffentliche Verwaltung als auch der Gesundheitssektor waren erheblichen Ransomware-Bedrohungen ausgesetzt. 19 % der Vorfälle zielten auf öffentliche Dienste ab. Insbesondere im Gesundheitsbereich kam es zu  8 % Ransomware-Angriffen, die die Patientenversorgung beeinträchtigten (ENISA, S. 15).

Irland

Wie im Vereinigten Königreich kam es auch in Irland zu einem Anstieg der Angriffe auf den Bereich öffentliche Verwaltung, auf den 19 % der gemeldeten Vorfälle entfielen. Ransomware- und DDoS-Angriffe richteten sich auch gegen die Finanz- und Unternehmensdienstleistungsbranche (ENISA, S. 12).

Fazit

Der Bericht „ENISA Threat Landscape 2024“ hebt die dringenden Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit hervor, denen sich Organisationen heute stellen müssen. Insbesondere solche, die Unified Communications, Contact Center und Unternehmensnetzwerke im Einsatz haben.

Angesichts der zunehmenden Bedrohungen durch Ransomware, DDoS und Social Engineering ist es wichtiger denn je, dass Unternehmen Sicherheitslücken schließen, fortschrittliche Bedrohungserkennungslösungen einsetzen und eine Kultur des Sicherheitsbewusstseins fördern.

Bei Damovo sind wir bestrebt, unsere Kunden bei der Bewältigung dieser komplexen Herausforderungen durch innovative, maßgeschneiderte Cybersicherheitslösungen zu unterstützen.

Für eine detailliertere Analyse und Empfehlungen zur Abwehr dieser Bedrohungen können Sie den vollständigen Bericht ENISA Threat Landscape 2024 auf der ENISA Webseite herunterladen.