Welche Methode passt zu Ihnen?
Wenn Sie in Ihrem Unternehmen Entscheidungen zur Cybersicherheit treffen, haben Sie sich sicher schon gefragt: Welche Art von Sicherheitstest liefert mir wirklich aussagekräftige Ergebnisse?
Ransomware-Angriffe nehmen weiter zu, staatlich unterstützte Hackergruppen werden immer raffinierter. Da reicht ein jährlicher Schwachstellenscan längst nicht mehr aus. Auch auf Vorstandsebene werden die Fragen zum Return on Security Investment (ROSI) konkreter. Was Sie brauchen, ist ein realistisches Bild davon, wie gut Sie tatsächlichen Bedrohungen standhalten können.
Genau hier kommen Penetrationstests, Red Teaming und Purple Teaming ins Spiel. In der Praxis werden diese Begriffe oft durcheinandergeworfen. Und ganz ehrlich: Auch viele Marketingunterlagen sorgen eher für Verwirrung als für Klarheit. Dabei verfolgen alle drei Ansätze unterschiedliche Ziele. Wer hier zur falschen Methode greift, verschwendet nicht nur Budget, sondern übersieht womöglich kritische Schwachstellen.
Schauen wir uns also an, was die einzelnen Methoden leisten und wann welche sinnvoll ist.
Penetrationstests: Offensichtliche (und weniger offensichtliche) Schwachstellen erkennen
Ein Penetrationstest ist ein gezielter, autorisierter Sicherheitstest. Stellen Sie sich das Ganze wie einen gründlichen technischen Gesundheitscheck vor, aber deutlich tiefergehend als ein automatisierter Scan.
Im Fokus stehen dabei technische Schwachstellen: Fehlende Patches, Fehlkonfigurationen, schwache Authentifizierungen oder SQL-Injections. Also genau die Probleme, die in Sicherheitsvorfällen immer wieder auftauchen.
Der Umfang ist meist klar abgesteckt. Getestet wird zum Beispiel eine bestimmte Anwendung, ein Netzwerksegment oder ein definierter Systembereich. Am Ende erhalten Sie eine strukturierte Auswertung: Wo gibt es Schwächen? Wie wurden sie ausgenutzt? Was ist konkret zu tun?
Was Penetrationstests nicht abdecken: Sie prüfen nicht, wie gut Ihr Team Bedrohungen erkennt oder auf Vorfälle reagiert. Man könnte sagen: Hier geht es um die technische Risikolage, nicht um die operative Reaktionsfähigkeit. Und das ist auch in Ordnung so. Dafür sind Penetrationstests schließlich gedacht.
Geeignet für: Unternehmen, die ihre grundlegenden Sicherheitskontrollen aufbauen oder prüfen möchten, Compliance-Anforderungen erfüllen müssen oder regelmäßig ihre Sicherheit bewerten wollen.
Red Teaming: Testet mehr als nur Ihre Technik
Beim Red Teaming geht es nicht darum, einzelne Schwachstellen zu finden, sondern ein konkretes Ziel zu erreichen. Und zwar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.
Das heißt: Ihr Unternehmen wird so getestet, wie es ein echter Angreifer tun würde. Das Red Team übernimmt die Rolle eines hartnäckigen Gegners: mit Phishing-Mails, Social Engineering, lateralen Bewegungen im Netzwerk und, wenn erlaubt, sogar physischem Zugang. Ziel ist es, unentdeckt so weit wie möglich vorzudringen.
Ein Red Team plant Angriffe über mehrere Wochen hinweg, ganz wie reale Bedrohungsakteure. Es analysiert Ihre Mitarbeitenden auf LinkedIn, erstellt überzeugende Phishing-Kampagnen, etabliert Zugangspunkte im Netzwerk und versucht, an sensible Daten zu gelangen. Und das alles, während Ihr Sicherheitsteam wie gewohnt arbeitet, ohne zu wissen, dass gerade ein Test läuft.
Das Ergebnis: Sie erfahren Dinge, die bei einem klassischen Penetrationstest verborgen bleiben. Wie schnell reagiert Ihr SOC auf ungewöhnliche Aktivitäten? Funktionieren Ihre Prozesse im Ernstfall – auch unter Druck? Wo bestehen Monitoring-Lücken, die ein Angreifer ausnutzen könnte?
Geeignet für: Unternehmen mit einem ausgereiften Sicherheitsprogramm, die prüfen möchten, wie effektiv ihre Detection- und Response-Fähigkeiten im Ernstfall funktionieren.
Purple Teaming: Lernen im Angriffsmodus
Beim Purple Teaming sitzen Red Team und Verteidiger an einem Tisch – manchmal im wahrsten Sinne des Wortes.
Statt auf einen finalen Bericht zu warten, bekommt Ihr Security-Team sofort Rückmeldung. Wenn das Red Team eine Lücke ausnutzt, erklärt es unmittelbar, wie es vorgegangen ist. Das Blue Team kann seine Detection-Regeln direkt anpassen und testen.
Dieser kollaborative Ansatz beschleunigt den Lerneffekt enorm. Hier geht es nicht um ein "Erwischt!"-Szenario, sondern darum, gemeinsam besser zu werden. Ihre Verteidiger lernen neue Angriffstechniken kennen. Und das Red Team versteht, warum bestimmte Abwehrmaßnahmen existieren.
Natürlich braucht es dafür ein gewisses Maß an Koordination sowie Offenheit auf beiden Seiten. Ego außen vor lassen, konstruktiv zusammenarbeiten – das funktioniert nur, wenn beide Teams mitziehen.
Geeignet für: Unternehmen, die internes Know-how aufbauen, ihre Sicherheitsoperationen professionalisieren oder Detection- und Response-Lücken gezielt schließen wollen.
Welche Methode ist die richtige für Sie?
Zur Orientierung hilft oft folgender Ansatz:
Starten Sie mit Penetrationstests, wenn:
- Ihr Sicherheitsprogramm noch in den Anfängen steckt
- Sie regulatorische Anforderungen erfüllen müssen
- Sie kosteneffizient technische Schwächen identifizieren möchten
- Sie überprüfen wollen, ob aktuelle Sicherheitsmaßnahmen wirken
Wechseln Sie zu Red Teaming, wenn:
- Sie Ihre Reaktionsfähigkeit im Ernstfall realistisch testen möchten
- Sie möchten Ihre Fähigkeiten zur Reaktion auf Vorfälle testen
- Sie verstehen möchten, wie ein echter Angriff auf Ihr Unternehmen aussehen könnte
- Die Geschäftsführung belastbare Aussagen zur Sicherheitslage erwartet
Nutzen Sie Purple Teaming, wenn:
- Sie auf kontinuierliche Verbesserung setzen
- Offensive und defensive Kompetenzen im Unternehmen vorhanden sind
- Sie den Wissenstransfer zwischen beiden Seiten beschleunigen möchten
- Sie laufende Security-Programme betreiben statt punktueller Einzelmaßnahmen
Viele Unternehmen profitieren davon, diese Methoden phasenweise einzusetzen. Erst Schwächen mit einem Penetrationstest identifizieren, dann mit Red Teaming die Resilienz unter Beweis stellen und mit Purple Teaming systematisch besser werden.
Wichtig ist, dass die Methode zu Ihrer aktuellen Sicherheitslage und Ihren Zielen passt. Ein Penetrationstest bringt wenig Erkenntnis über Ihre Notfallreaktion. Ein Red Teaming wäre überdimensioniert, wenn es noch an grundlegender Absicherung fehlt.
Die passende Testmethode wählen
Die entscheidende Frage lautet: Was wollen Sie konkret herausfinden? Suchen Sie technische Schwachstellen? Möchten Sie sehen, wie Ihr Team im Ernstfall reagiert? Oder möchten Sie Ihre internen Fähigkeiten gezielt aufbauen?
Die Antwort auf diese Frage sollte Ihre Wahl bestimmen. Und: Es muss keine Entscheidung für immer sein. Je weiter Ihr Sicherheitsprogramm reift, desto mehr ändern sich auch Ihre Testanforderungen.
Das Wichtigste ist: Sie testen überhaupt, und zwar über Checklisten und automatisierte Tools hinaus. Ganz gleich, ob Sie sich für Penetrationstests, Red Teaming oder Purple Teaming entscheiden, Sie schaffen eine Grundlage, um echte Bedrohungen besser zu verstehen.
Die Unternehmen, die hier erfolgreich sind, starten meist mit einem Ansatz und entwickeln ihre Teststrategie im Laufe der Zeit weiter. Sie können dem Vorstand genau erklären, wofür sie testen und warum sich die Investition lohnt.
Lassen Sie uns gemeinsam den passenden Ansatz finden
Ob Sie gerade erst mit Ihrem Sicherheitsprogramm starten oder eine bestehende Umgebung auf Herz und Nieren prüfen möchten – die Wahl der richtigen Testmethode macht den Unterschied. Wenn Sie nicht sicher sind, wo Sie ansetzen sollen oder eine zweite Meinung brauchen: Wir unterstützen Sie gern bei der Auswahl.